"Humor ist die Lust zu lachen, wenn einem zum Heulen ist."
Dem Kabarettisten, Schauspieler und Schriftsteller Werner Fink zum hundertsten Geburtstag

Bis heute hat sein hintergründiger Humor nichts an Aktualität und Klasse eingebüßt. Die selten gezeigten Filmdokumente seiner Auftritte und seine Szenen in schlichten Kinofilmen des Nachkriegsdeutschland, die darin oft als einsame Lichtblicke erscheinen, rufen den "alten Narren" gelegentlich wieder ins Gedächtnis. 1978 ist Werner Fink gestorben, nach einem Leben, in dem er reichlich Gelegenheit hatte, seinem Motto zu folgen: "Wer lachen kann, dort wo er hätte heulen können, bekommt wieder Lust zum Leben". Am 2. Mai wäre Werner Fink 100 Jahre alt geworden. Einige Erinnerungen an einen Ausnahmekabarettisten.


"Die schwierigste Turnübung ist es immer noch, sich selbst auf den Arm zu nehmen!"
Werner Finck um 1946

Photographie Deutsches Historisches Museum, Berlin

Er sah sich als professioneller Eulenspiegel. Nicht zuletzt deswegen ist er wohl dageblieben, als viele Andere flohen. Fink trotzt den Nazis als Komödiant, als Narr, als Spaßmacher. Sie entledigen sich des mutigen Skeptikers und Betreibers der legendären Berliner Kabarettbühne "Die Katakombe", indem sie ihn in das Konzentrationslager Esterwegen schicken. Nur seine freiwillige Meldung an die Front rettet ihn. Immer wieder wird ihm Arbeitsverbot auferlegt. Fink, der traurige Spaßmacher legt sich damals selbst folgende Worte in den Mund: "Heute ist die Katakombe offen, doch wenn sie morgen zu offen ist, ist sie übermorgen wieder zu."

In den Jahren 1925 bis 1928 spielt er in seinem ersten Engagement als Schauspieler in Bunzlau. 1929 übersiedelt der in Görlitz als Sohn eines Apothekers geborene Fink schließlich nach Berlin, um die "Katakombe" mitzubegründen. 1937, nach dem erwähnten Aufenthalt im Konzentrationslager wird er an das "Kabarett der Komiker" engagiert, nach dessen Verbot erfolgt der Ausschluß aus der "Reichskulturkammer". Somit wird er an der Ausübung seines Berufes gehindert. Finck meldet sich freiwillig zum Kriegsdienst, um einer erneuten Verhaftung zu entgehen.

Werner Fink, eigentlich ein unpolitischer Mensch wurde zum Ausdruck eines frechen kabarettistischen Widerstandes inmitten tiefer politischer Depression. Unmittelbar nach dem Krieg leitete er das Züricher "Nebelhorn" und spielte im Münchner "Schmunzelkolleg". 1948 schließlich, ging Fink nach Stuttgart und gründete dort die "Mausefalle" und fand auch hier sein Publikum. 1951 folgte seine Hamburger "Mausefalle". Seit 1951 ermöglichte ihm der damalige Nordwestdeutsche Rundfunk kabarettistische Fernsehprogramme wie "Am Besten nichts Neues" oder "Der brave Soldat schweigt". Mehr und mehr entdeckt ihn dann auch der Nachkriegsfilm. An Produktionen wie "Hanussen", "Viktor und Viktoria" und "Die Zürcher Verlobung" war der "sächsische Eulenspiegel" beteiligt. 1958 wurde er mit dem "Kabarettistenring" ausgezeichnet. In den Sechziger Jahren arbeitete er vor allem für die Münchner "Lach und Schießgesellschaft. Weitere herausragende Ereignisse in seinem Leben waren seine USA-Tournee 1968 und die Veröffentlichung seiner Autobiographie "Alter Narr - was nun?" 1972. Eine seiner letzten großen Auftritte hatte er in Rainer Werner Fassbinders gesellschaftskritischer Familienserie "Acht Stunden sind kein Tag". Am 31. Juli 1978 starb Werner Finck in München.

Das 3sat-Fernsehen portraitiert den Mann der halben Sätze, der sein Lebtag den Spaß ernst genommen hat und Todernstes so spaßig mitzuteilen verstand, als sei es reiner Jux mit zwei Sendungen:

Genie und Narr: Werner Finck - Eine Hommage zum 100. Geburtstag
Ein Film von Jürgen Miermeister

Donnerstag, 02. Mai 2002, 22.25 Uhr, 3sat

Am Besten nichts Neues - Der Meister der halben Sätze: Werner Finck
Donnerstag, 02. Mai 2002, 23.10 Uhr, 3sat

Christoph Thein
01.05.2002

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