Kurz und knapp ist manchmal mehr
Die Schweinfurter Kurzfilmtage sind weiter auf Erfolgskurs - eine Nachlese

Schweinfurt - Die Schweinfurter Kurzfilmtage sind auf dem besten Wege, sich fest im Schweinfurter Kulturleben zu verankern. Oder sollte das sogar schon geschehen sein? Die Resonanz bei den "Dritten Schweinfurter Kurzfilmtagen" am 28. und 29. März war jedenfalls äußerst positiv. Bei den beiden doppelt angebotenen Filmblöcken im Schweinfurter Programmkino KuK tummelten sich die begeisterten Fans wie schon in den vergangenen Jahren. Das Magazin Kulturplätzle konnte Gerald J. Günther, Geschäftsführer des veranstaltenden KulturPackts, für ein Interview gewinnen.

Obwohl der Kurzfilm im allgemeinen Bewußtsein keine allzu große Rolle spielt, übt er doch eine unglaubliche Anziehungskraft aus. Die Faszination, mit wenigen Mitteln in kürzester Zeit eine effektvolle Geschichte zu erzählen, ist enorm. Oft werden die packenden Bilder noch mit einem überzeugenden Sound hinterlegt - dann ist die Konkurrenz zum "großen" Kino perfekt. Mit der Kraft der kleinen Kunst - die ja im Kabarett oder im Chanson genauso geschätzt wird - ist wohl das durchweg positive Echo bei den Besuchern zu erklären. Ganz abgesehen natürlich von der künstlerischen und handwerklichen Qualität der gezeigten Filme. Um neben dem begeisterten Publikum nicht ganz die "Macher" zu vergessen, im Folgenden ein kleiner Blick hinter die Kulissen der Kurzfilmtage: ein Gespräch mit Gerald J. Günther vom Schweinfurter KulturPackt.

- Herr Günther, wie entstand die Idee, in Schweinfurt "Kurzfilmtage" anzubieten, und wie entwickelte sich die Zusammenarbeit mit dem KuK?
Das ist schon mal gleich eine knifflige Frage. Die Idee entstand aus der Präsentation unserer Zeitung "Lichtblicke 99", die wir (im Zusammenhang mit "Licht") mit 2 experimentellen Kurzfilmen im KuK vorstellten - das KuK einfach deswegen, weil es Schweinfurts einziges Programmkino ist, das außerdem auch andere Kultur-Sachen wie Lesungen, Konzerte etc. anbietet, und weil man mit Chefin Diana Schmeltzer einfach super zusammenarbeiten kann. Und als dann auch der Kurzfilmabend beim Kulturforum in der ehemaligen Molkerei Trinklein im November 99 gut angenommen wurde, war die Zeit reif für ein Schweinfurter Kurzfilmfestival.

- Innerhalb welches Budgetrahmens kann der KulturPackt Filme für diese Veranstaltung einkaufen? Oder ist diese Frage zu indiskret?

Nein, es gibt ganz einfach keinen konkreten Budgetrahmen. Ich versuche, die Filme so günstig wie möglich zu bekommen. Ein großer Teil der Filme kam von der Hamburger Kurzfilmagentur, die recht günstige Konditionen anbietet, wenn man ein ganzes Paket nimmt. Manche Filmemacher freuen sich, daß ihre Filme gezeigt werden und stellen sie uns kostenlos zur Verfügung, d.h. uns entstehen nur die Versandkosten. Andere wollen zwischen 25 und 50 Euro - wenn uns bzw. mir der Film wichtig ist, wie dieses Mal z. B. "Copy Shop", müssen wir das halt ausgeben.

- Wie gestaltet sich die Suche nach geeignetem Material? Wer bestimmt das Profil der "Kurzfilmtage" - das auf dem Markt vorhandene Material, die Finanzen, oder doch Gerald J. Günther?
Das Profil der Kurzfilmtage wird natürlich schon von mir als Haupt-Auswähler bestimmt. Die Quellen sind: Der Katalog der KFA Hamburg, die fast 400 internationale Kurzfilme im Angebot haben, andere Filmfestivals, zum Beispiel Würzburg und Bamberg, bei denen ich die Highlights aussuche, die lokalen Filmemacher, die wir gerne unterstützen - also Schweinfurter und Würzburger Produktionen - und vor allem fürs Kinderfilm-Programm das Angebot der katholischen Medienzentrale in Würzburg.

- Wie kommt man ran an die Filme und auf welchem Medium stehen sie vorwiegend zur Verfügung? Ist das in erster Linie digital, auf Video oder noch "klassisch"?
Für eine gute Kinoqualität brauchen wir "klassische" 35 mm-Filme. Die Filme der FH Würzburg und der Schweinfurter Filmemacher sind auf Video gedreht. Ein Teil der Beiträge stammt aus dem Angebot der Hamburger KFA, die anderen kommen direkt von den Filmemachern bzw. ihren Verleihern bzw. ihren Hochschulen, wenn es sich um Studentenfilme handelt.

- Wie kam es denn zur Begleitausstellung mit Zeichnungen des "Hobo-Machers"?
Jochen Ehmann wollte das schon länger; er ist ja Dozent an der FH Würzburg und hat dadurch von unseren Kurzfilmtagen gehört. Eigentlich wollte er in einer städtischen Galerie ausstellen, aber ich denke, ins KuK paßt das sehr gut.

- Sind Sie mit der Besucherresonanz zufrieden? Wie sieht das beim KuK aus?

Sehr! Wir hatten noch einmal 200 Besucher mehr als im letzten Jahr, nämlich etwa 770 in allen Vorstellungen. Das finde ich und auch das KuK einfach fantastisch! Die Vorstellungen waren zwischen 60 und 100% besucht, da kann man sich nur freuen.

- Wie gehts weiter mit den "Kurzfilmtagen"? Wird das Festival noch weiter ausgebaut, oder ist man für Schweinfurter Verhältnisse schon an den Grenzen des Machbaren?
Es wird auf jeden Fall an Gründonnerstag und Karfreitag 2003 wieder Kurzfilmtage geben. Ob man noch einen Tag dazu nimmt, müßten wir überlegen. Vom Gefühl her glaube ich, daß nicht mehr viel Steigerung der Besucherzahlen möglich ist und wir mit dem Angebot wie heuer gut zurecht kommen müßten. Wünschenswert wäre wieder das ein oder andere Special wie eine Live-Vertonung und daß man Filmemacher einlädt, zur Diskussion. Auch thematische Specials wären denkbar.

- Eine schöne Idee ist es, "Siegerfilme" durch die Zuschauer wählen zu lassen, die dann beim nächsten Festival nocheinmal gezeigt werden. Wie hat das Publikum heuer entschieden? Welche Filme gibts nochmals zu sehen?
Der meistgewählte Film war "A Bout Du Monde" vor "Fenster mit Aussicht", ganz knapp vor "Ernst und das Licht" und "Björn oder die Hürden der Behörden" - die waren stimmengleich. Da wir aus Programm A und Programm B jeweils den beliebtesten Film wählen, wird im nächsten Jahr wieder "A Bout Du Monde" und "Ernst und das Licht" zu sehen sein - da hat das Los entschieden. Überraschenderweise hat der meistdiskutierte Film "Staplerfahrer Klaus" nur den 5. Platz erreicht.

- Und zum Schluß noch ein weiterer Ausblick: Was steht an beim KulturPackt - mit welchem "Event" tritt der Verein als nächstes auf den Plan?
Im Moment ist gerade etwas Luft. Die Planungen beginnen für die Werbung des Nachsommers, die wir wieder übernehmen. Konkret folgen im September das Straßenmusikfestival "Pflasterklang" und die "Nacht der Kultur".

- Lieber Herr Günther, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen den nächsten Kurzfilmtagen wieder großen Erfolg.

 

Weitere Informationen zum Verein KulturPackt im Internet: www.kulturpackt.de

Christoph Thein
02.04.2002

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