Ein Entertainer ohne Worte
Till Brönner eröffnet seine Konzertreihe "A night in ..." in der Münchner Philharmonie

München - Mit seiner Trompete an den Lippen tritt Till Brönner zu seinen Kollegen Bruno Müller (Gitarre) und Christian von Kaphengst (Bass) auf die Bühne der Münchner Philharmonie. Der gefeierte Nachwuchs-Entertainer setzt Prioritäten und begrüßt erst nach einer zehnminütigen, improvisierten Jamsession das Publikum.


In seiner Hauptrolle: Till Brönner spielt vorwiegend Trompete, spielt aber auch Klavier und singt dazu.
Photographie: Ch.Kral

Offensichtlich ist für den 34-Jährigen seine Musik das Wichtigste. Seit frühester Kindheit spielte er in Bands und Orchestern wie dem Rias-Tanzorchester (heute Rias Big Band Berlin). Er absolvierte eine klassische Trompetenausbildung und das Studium Jazztrompete an der Musikhochschule Köln.

Brönner ist weit über die Grenzen des Landes oder der Jazzszene bekannt - nicht zuletzt wegen seiner Projekte mit Hildegard Knef, Bootsy Collins, Mousse T., Ray Brown, den Berliner Philharmonikern, Natalie Cole oder den No Angels. Weniger bekannt ist seine Jugendfreundschaft zu Stefan Raab. Mit ihm hat er in einer Band gespielt und ist regelmäßig in dessen TV-Show aufgetreten. Außerdem haben sie ein gemeinsame Platte aufgenommen.

Mittlerweile hat Brönner zehn weitere Alben veröffentlicht und unter Regie von Grimme-Preisträger Volker Weicker seine erste DVD "A night in Berlin" abgedreht. Nach der gestrigen Vorpremiere in München startet morgen in Berlin die namens-, aber nicht inhaltsgleiche "Tour zur DVD" über zwei Wochen durch große deutsche Städte:

02.11.2005 München - Philharmonie (Vorpremiere)
04.11.2005 Berlin - Philharmonie (Premiere)
05.11.2005 Karlsruhe - J.-Brahms-Saal
06.11.2005 Mannheim - Mozartsaal
07.11.2005 Bremen - Glocke
08.11.2005 Lübeck - MuK
10.11.2005 Dresden - Kulturpalast
13.11.2005 Hannover Theater am Aegi
14.11.2005 Nürnberg - Meistersingerhalle
15.11.2005 Essen - Philharmonie


Das Ensemble: v.l. Johan Leijonhufvud, Till Brönner, Bruno Müller, Christian von Kaphengst und Roland Peil
Photographie: Ch.Kral

Doch Brönner bleibt bescheiden. Mehr noch, er bezeichnet Münchens größten Konzertsaal als "kleinen Jazzclub". Johan Leijonhufvud (Gitarre) und Roland Peil (Percussion) kommen auf die Bühne und komplettieren die Combo. Und schon geht es weiter im Programm aus Jazzklassikern und Eigenkompositionen, aus Easy-Listening und Tempogeladenem.

Bei ruhigen Stücken wie dem "Traurigen Pfau" stellt die Band Ihr Können unter Beweis und hält auch leiseste Töne treffsicher. Während die Musiker bei schnellen Songs wie "Clax's Theme" (von Till Brönner komponierte Filmmusik) die Vielseitigkeit Ihrer Instrumente demonstrieren. Davon sind die fast 2000 Besucher mitgerissen und applaudieren nach jeder Soloeinlage. Doch auch die Musiker zeigen sich zufrieden, trotz oder gerade wegen der angeblich nur fünftägigen Probenzeit. So strahlt Till Brönner wie ein Kind an Weihnachten, wenn er kurz pausiert und seinen Kollegen lauscht. Auch schlägt er nach seinen eigenen Soli vor Freude die Hände über dem Kopf zusammen oder schaut seine Trompete ungläubig an. Und es wirkt beileibe nicht gespielt.

Zum Ende des Konzerts wechselt er wie auch gelegentlich vorher ans Piano und singt dazu seinen Hit "Your way to say good-bye". Ein gutes Ende für einen gelungenen Abend.

Homepage von Till Brönner: www.till-broenner.de

Christian Kral
04.11.2005

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