Lügen und Bürointrigen
das Fränkische Theater startet ernsthaft und satirisch ins neue Jahr

Maßbach - Der Februar ist im Schloß Maßbach traditionell einem ernsthaften Stück vorbehalten. So beginnt man nun auch mit einer nachdenklich machenden "wahren Spionagegeschichte", "Ein Haufen Lügen" von Hugh Whitemore. Die "besondere Reihe" wendet sich dann mehr dem Alltagskampf am Arbeitsplatz zu. Unterhaltsam thematisiert dies auch Schillers "Parasit" im März.


Die Abgründe des Mißtrauens: Tommy Völkers und Eike Domroes in Whitemores Psychothriller
Photographie: Sebastian Worch

Mißtrauen, Angst und Freundschaft. Um diese Zentralthemen kreist Hugh Whitemores Stück, das in der Regie von Friedrich Bremer am Freitag, 31. Januar im intimen Theater Maßbach Premiere hat. Still und zurückhaltend und doch unglaublich packend wird die Geschichte der Vorstadtfamilie Jackson erzählt, die in ihrem Vertrauen zu ihren besten Freuden durch das Auftauchen einer Spionageabwehrtruppe tief erschüttert wird. Wie lange kann die Familie dem psychischen Druck des aufkeimenden Mißtrauens standhalten? Der Regisseur Friedrich Bremer, langjähriger Intendant des Stadttheaters Paderborn, hat in Maßbach immer wieder seine Fähigkeit bewiesen, die Psychologie der Figuren bis ins kleinste Detail herauszuarbeiten. Man darf auf das Ergebnis beim Thriller "Ein Haufen Lügen" gespannt sein. Es spielen Eike Domroes, Angela Koschel, Marc Marchand, Ingo Pfeiffer, Tommy Völckers, Inka Weinand und Nadja Winter. Das Bühnenbild richtet Stafan Pachinger ein, die Kostüme stammen von Doreen Schlötzer.


Thomas Klischke
Photographie: Fränkisches Theater

Die "Besondere Reihe" im romantischen Kaminzimmer des Schlosses wird am Mittwoch, 19. Februar fortgesetzt. Nicht ganz so romantisch, dafür satirisch und hintergründig bringt diesmal der Schauspieler Thomas Klischke Nicolai Gogols "Tagebuch eines Wahnsinnigen" zur szenischen Aufführung. Gogols Geschichte vom staatlichen Büroangestellten Aksenti Iwanow Propristschin ist eine Satire zum Konkurrenzkampf am Arbeitsplatz, zur Verehrung von Idolen, Verschwörungstheorien und anderen politischen, menschlichen und hierarchischen Vorgängen und paßt haargenau in unsere Zeit. Regie führt Siegfried Bast.

Im März wird es dann wieder komödiantischer, wenn Friedrich Schillers Stück "Der Parasit" auf dem Spielplan steht. Die Geschichte stammt ursprünglich von dem Franzosen Picard. Schiller lieh ihr seine brillante dramaturgische Frische und eine wunderbar dahinrauschende Sprache. Mit dieser Komödie bleibt das Fränkische Theater in der ministeriellen Büroatmosphäre, bei Aktenwürmern und scheinheiligen Kriechern. Der "Parasit" Selicour wird sich am Ende verraten, seine dunklen Machenschaften werden von komödiantischen Geistern mit leichter Hand aufgedeckt. Die Regie wird Rolf Heiermann übernehmen, der im Sommer schon mit viel Charme das herzige "Rössl" aus Österreich vor die fränkische Schloßkulisse gezeichnet hat. Premiere ist am Freitag, 7. März.

Spielplan und Informationen unter www.fraenkisches-theater.de

Christoph Thein
18.01.2003

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