Zigarrendunst und feurige Rhythmen
Was beschreibt besser die gängige Vorstellung von Kubas Metropole Havanna?

München - Die Dinnershow "Havanna - Buena Vista" entführt Gäste des Deutschen Theaters in eine Szenerie lateinamerikanischer Leidenschaft. Vom 6. Dezember 2002 bis 9. Januar 2003 zeigt die Münchner Bühne in der Schwanthaler Straße eine Inszenierung unter der Leitung von Francisco Olivera Lago. Die im November uraufgeführte Bühnenshow aus Kubas legendärstem Nachtclub feierte in der bayrischen Landeshauptstadt kürzlich ihre Europapremiere.


Heiße Tänze des kubanischen Fernsehballetts
Photographie: Deutsches Theater München

Gezeigt wird viel Fleisch. Ein Muß für jeden Genießer! Wer sich hiervon angesprochen fühlt, kann nun wählen, ob er sein Interesse auf den meist leicht bekleideten Tänzerinnen oder den zuvor servierten Gaumenfreuden begründet.
Das Konzept der Dinnershow wurde vom Deutschen Theater traditionsgemäß in der Vorweihnachtszeit wieder aufgegriffen. Auf dem Parkett finden sich statt der üblichen Sitzreihen stilvoll dekorierte Tische mit festlichen Gedecken, die zu sinnlichen Genüssen einladen. Ab 70 Euro Eintrittspreis offeriert Küchenchef Alfred Rupp ein exotisches Menü und kubanische Drinks. Anschließend öffnen sich für die in Fast-Food-Restaurants oder anderweitig gesättigten Schüler, Studenten und Zivis (ab 20 Euro) oder sonstigen Sparbrennern (ab 29 Euro) die Tore des Theaters und für alle Besucher der Vorhang.


Son del Trópico - Legendäres kubanisches Oktett
Photographie: Deutsches Theater München

Nun offenbart sich in grellem Scheinwerferlicht und farbenfrohen Kostümen Kubas Fernsehballett. 14 weibliche und 5 männliche Schönheiten, deren Familiennamen länger als die Schlange an der Abendkasse sind, schwingen zu Salsa-, Cha-Cha-Cha- und Mambo-Rhythmen die Hüften. Erst nach einigen Minuten dieser Reizüberflutung kann der schillernde Vordergrund durchdrungen und das Bühnenbild erkundet werden. Die lebensfrohe Musik kommt von den Blas- und Rhythmusinstrumenten der Havanna-Band und des Oktetts "Son del Trópico". Letzteres besteht aus international bekannten Vollblut-Legenden, die ihr größtenteils über 70 Jahre langes Leben der Musik verschrieben haben. Sie alle sind eingerahmt von einer Kulisse Havannas Häuser und Hütten sowie im Hintergrund projizierter Photographien. Amerikanische Straßenkreuzer und Strandpromenaden, Bars und Cocktails, Straßenmusiker und Zigarren zeichnen eindrucksvoll ein Bild von Kubas Metropole.

Noch stärker in die lateinamerikanische Kultur versetzt einen ein Flirt-Szenario in Havannas berühmtem Nachtclub "Tropicana". Solo-Tanzpaare nähern sich anmutig. Sie entdecken ihre Leidenschaft und leben sie mit einem Hauch von Erotik zu den heißen Rhythmen der Havanna-Band aus. Auch bei einem Hochzeitsfest und einem Tanz im tristen Innenhof eines Holzhüttenviertels ist man zu Gast.

Unbestritten hat man hier hauptsächlich an lebens- und farbenfrohen Aspekten kubanischen Lebens teil, während Wim Wenders in "Buena Vista Social Club" unlängst ein etwas anderes Bild gezeichnet hat. Hier kam neben der Lust am Leben auch Melancholie zum Ausdruck. Auch der beeindruckende Schlangentanz von Yulieth Cuvena Massó nimmt der Theateraufführung im Vergleich zur Leinwanddokumentation zugunsten von Glanz und Glamour ein Stück weit Authentizität.

Aber hiervon abgesehen, kommen beide Stücke auf einen unverwechselbaren und gleichsam beeindruckenden Nenner. Die Momentaufnahmen zeigen einen Ausschnitt aus dem echten Leben in Kuba - voller Anmut und Stimmung. Sie bringen ein stückweit den für uns aufregenden Alltag einer anderen Kultur in unseren Dunstkreis. Und bei diesem Zigarrendunst und feurigen Rhythmen glaubt man nach zwei Stunden zu wissen, was Havanna ausmacht.

Mehr zur Dinnershow und zur großen Silvestergala "Havanna - Buena Vista" bei www.deutsches-theater.de

Christian Kral
19.12.2002

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