Schweinfurter Theatergeschichte mit überregionaler Bedeutung
Der Freundeskreis Puppentheater Schweinfurt entwickelt sich - nun auch im Internet

Schweinfurt - Erst unlängst fand wieder eine Zusammenkunft des Freundeskreises Puppentheater in Schweinfurt statt. Die Interessengemeinschaft, bestehend aus über achtzig Mitgliedern, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die reiche Figurentheatertradition in und um Schweinfurt zu pflegen und - nicht zuletzt durch die Schweinfurter Puppenspieltage - wieder Bewegung in die Theaterszene zu bringen. Zeichen für den Fortschritt ist auch das neue Internetportal www.puppenspieltage.de!

Uwe Brockmüller, Leiter des Oberwerrner Puppentheaters ohne Namen und Mitbegründer der Schweinfurter Puppenspieltage, hatte einiges zu berichten, als er "seinen" Freundeskreis wieder einmal zu einem Treffen einlud. Nachdem die Interessengemeinschaft, die im Jahr 2000 begründet wurde, zuletzt im Februar vergangenen Jahres in der Schweinfurter Theaterkantine tagte, hatte man diesmal die Kleinkunstbühne Schrotturmkeller als Versammlungsort gewählt. Über das Jahr ist doch so einiges geschehen. Das Puppentheater ohne Namen feierte sein dreißigjähriges Bestehen und Brockmüllers beachtliche Figurensammlung stellte einen Großteil der Schau "Mächtig viel Theater - Puppentheater aus aller Welt" im Knauf-Museum Iphofen (wir berichteten). Diese Sammlung befindet sich auch derzeit unter Begutachtung verschiedener anerkannter Fachleute, um den historischen und künstlerischen Wert besser einschätzen zu können. Und nennenswerte Neuerwerbungen aus dem javanischen Wayang-Theater sind zu vermelden - Uwe Brockmüller pflegt seine Sammlung!

Auch im Schweinfurter Stadtarchiv wird derzeit recherchiert. Es geht dabei um ein bedeutendes Stück Figurentheatergeschichte. Im Jahr 1582 hat der Puppenspieler Balthasar Klein in der Stadt ein Gastspiel gegeben - eine Kammerrechnung soll sich im Archiv befinden. Von Balthasar Klein und Simon Roth stammt auch das erste bekannte gedruckte Puppenspiel "Jonas. Ein lustigs, auch kurtzes und nicht minder nutzes Spiel von der Bußpredigt Jone...", das im selben Jahr in Schweinfurt von Valentin Kröner gedruckt wurde. Klein gehörte zu den bedeutendsten Figurenspielern des sechzehnten Jahrhunderts. Ein letztes, allerdings noch nicht aufgefundenes Exemplar des "Jonas" soll sich in der Prager Universitätsbibliothek befinden.

Die Geschichte des Figurentheaters in Schweinfurt, der sich der Freundeskreis verpflichtet fühlt, ist also beträchtlich und gar in die überregionale Theatergeschichte verwoben. Teil dieser Geschichte sind auch die - an Kleins "Jonas" gemessen - noch recht jungen Schweinfurter Puppenspieltage. Das Festival findet in diesem Jahr zum 19. Mal statt. Dem Freundeskreis liegt die Veranstaltung besonders am Herzen, weil sie die Möglichkeit bietet, die auch in der heutigen Zeit noch sehr lebendigen Figurenspiele einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren. Das Publikum wiederzugewinnen, dessen Interesse in den vergangenen Jahren immer mehr zurückgegangen ist, ist eines der obersten Ziele. Vielleicht kann dies auch über das Internet geschehen. Das neue Internetportal, das das Programm und noch viel mehr rund um das Puppentheater präsentiert, ist ein kleiner Schritt. Es bleibt zu hoffen, daß sich möglichst viele Menschen jeden Alters vom wunderschönen Programmangebot im Herbst in die Studiobühne des Stadttheaters locken lassen, um zu erfahren, wie faszinierend und persönlich diese große Kleinkunst Puppenspiel sein kann.

Informieren Sie sich zu den Puppenspieltagen und zum Freundeskreis unter: www.puppenspieltage.de

Christoph Thein
21.04.2002

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