Es "musicalt" auf absolut hohem Niveau
Die Münchner Kammerspiele in Schweinfurt mit vielen Bekannten

Schweinfurt/München - "Die Darsteller liefern hervorragende Einlagen, das Publikum war begeistert. Stürmischer Applaus mit Händen und Füßen." So gab die Kritikerin der Zeitung "Die Welt" ihre Eindrücke von Franz Wittenbrinks - noch - aktuellem Münchner Meisterstück wieder. Am 12. Juni wird er (wieder an den Münchner Kammerspielen) den neuen Liederabend "Metamorphosen" herausbringen. Nur zwei Tage danach gastieren die Akteure mit dem "alten" Publikumsrenner "Die Welt wird schöner mit jedem Tag" im Theater der Stadt Schweinfurt.


Die Welt wird schöner mit jedem Tag: Lieder von Mozart bis Nana Mouskouri, von Schubert bis zu den Beatles
Photographie: Münchner Kammerspiele

Wieder Vernissage. Man kennt sich. Man zeigt sich. Man schmäht sich. Man ist erfreut und erbost, man trinkt Sekt und wenn's schmeckt, nimmt man ein Häppchen. Das ewige "Lied der Gesellschaft", immer wieder zu sehen und zu hören. Ob in Münchner Edelgalerien oder in Schweinfurts altehrwürdiger Rathaushalle. Man ist dabei. Abends schnell ein Lächeln aufgesetzt und dann rein ins Vergnügen - ganz unverbindlich. Sehen und gesehen werden ist auch bei Franz Wittenbrinks Liederabend rund um die Prototypen unserer Erlebnisgesellschaft das Hauptmotto. Der Mäzen und die Society-Lady, das neugierige Paar, der gestresste Partylöwe und das Groupie, die Neureichen und der junge Kulturprovokateur kreisen umeinander und stellen sich dar. Über die Sehnsüchte und Ängste, über die Leidenschaften, den Neid und die Eitelkeiten, die hinter dem bürgerlich-melancholischen Gesellschaftstanz stehen, erzählen die Lieder von Mozart bis Nana Mouskouri, von Schubert bis zu den Beatles.

Der Titel dieses hinreißend und zerreißend satirischen Liederabends, entnommen der zweiten Strophe von Uhlands "Frühlingsglaube", ist doppel- und hintersinnig zu verstehen, wie alle Verse und Texte, die Wittenbrink zu seinen weithin gerühmten Liederabenden montiert. "Die Welt wird schöner mit jedem Tag" kann auch bedeuten, daß jeder Tag eine schöne Bescherung bringt. Wittenbrink schafft es auf unnachahmliche Weise, ein Kaleidoskop von Musik und Handlung aufzubauen, das unterhält und begeistert.

Franz Wittenbrink, 1948 geboren, besuchte das Musikinternat der Regensburger Domspatzen und erhielt eine umfassende musikalische Ausbildung: Klavier, Violoncello, Orgel, Trompete, Tonsatz und Kontrapunkt. In den neunziger Jahren begann er am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg - unter der Intendanz Frank Baumbauers, der ja jetzt die Münchner Kammerspiele leitet - seine Liederabende (z. B. "Männer", "Komm, süßer Tod", "Nachtschicht") herauszubringen, die immer wieder für Sensation gesorgt haben. Seine "Sekretärinnen", in Schweinfurt vor gut zwei Jahren zu sehen in der Chemnitzer Inszenierung, dürften noch in erheiternder Erinnerung sein.

Und auch die Namen der Schauspieler-Sänger, die diesen Abend zu einem so glanzvollen machen, können sich hören lassen. Da ist etwa Stella Maria Adorf, Tochter des berühmten und vom Publikum geliebten Mario Adorf. Ihr zur Seite stehen die Damen Caroline Ebner, Barbara Nüsse und die Sängerin und Moderatorin Krista Posch, die "Bozener Perle", wie sie der große österreichische Liedermacher Ludwig Hirsch einmal genannt hat. Auch die Männerrollen sind vielversprechend besetzt. Jochen Noch, Jochen Striebeck und Stephan Zinner stehen für eine ausgewogene Mischung aus schauspielerischem Können und großer Freude am Komödiantischen. Alle drei waren zuletzt in Schweinfurt zu sehen in Fleißers "Der Starke Stamm". Noch spielte den Metzgerjackl, Striebek Annerls Vater und Zinner war als Schutzmann und Gerichtsvollzieher zu sehen. Mit Stefan Merki haben sie einen kompetenten Partner zur Seite. Um die Gesangskunst muß man da nicht bangen.


Paul Herwig, Stella Maria Adorf, Barbara Nüsse, Krista Posch, Caroline Ebner, Jochen Striebeck, Stefan Merki, Jochen Noch, Stephan Zinner
Photographie: Münchner Kammerspiele

Paul Herwig komplettiert die Männerriege. Er dürfte für die Schweinfurter so etwas wie ein "alter Bekannter" sein. Über Jahre gastierte er als Ensemblemitglied in den heute schmerzlich vermißten Inszenierungen des (alten) Bayerischen Staatsschauspiels. So war er etwa in der Titelrolle von Goethes "Clavigo" zu sehen, als Figaro in "Der tollste Tag" und auch in Taboris "Goldberg-Variationen" und Kleists "Zerbrochenem Krug" neben Michael Degen. Und natürlich gastierte auch er im "Starken Stamm" der (neuen) Münchner Kammerspiele. Er überzeugte als Bitterwolfs Sohn Hubert und lieferte an der E-Gitarre auch noch ein glanzvolles Solo. Schweinfurt, so versicherte er einmal gegenüber dem "Kulturplätzle", sei für ihn auch ein Stück Theater-Heimat geworden: "Wir haben da mit ganz schön verrückten Stücken gastiert".

Ein Wiedersehen sollte man also auf keinen Fall verpassen und die Neubegegnung mit Franz Wittenbrinks Liederabend erst recht nicht. Gelegenheit dazu hat man am Sa, 14. und So, 15. Juni jeweils um 19.30 Uhr im Theater der Stadt Schweinfurt. Spielplan und Informationen unter www.theaterschweinfurt.de

Christoph Thein
21.05.2003

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