Little Drummer Boy im Stimmbruch
Weihnachtskonzert im Schweinfurter Humboldt-Gymnasium

Schweinfurt - Das Jahr geht zu Ende und eine Menschenmenge durch die Dunkelheit zum Humboldt. Dem Ruf von Tradition und Direktor Dr. Häublein folgt ein besonders großes Publikum zum Weihnachtskonzert. Doch im Verlauf des Abends wird klar, das sich das bis nächstes Jahr ändern wird.


Voll bis auf den letzten Platz:
Aula des Humboldt-Gymnasiums während der Pause
Photographie: CK

Um halb Acht an einem vorweihnachtlichen Abend tritt Dr. Ernst Häublein auf die Bühne. Er begrüßt die Gäste und spricht über weihnachtliche Gedanken, zur Verwirrung vieler aber vor allem über Allerheiligen. "Von drauss vom Walde" kommt danach ein Schüler und stimmt mit Storms "Knecht Ruprecht" wieder weihnachtlich. Den musikalischen Auftakt macht schließlich Thomas Betzers Percussion-Gruppe mit einem weiteren Klassiker: "Joy to the World".

Einige Minuten und ein weihnachtliches Gedicht später überrascht Bernhard Wenzels Unterstufenchor mit einer erstaunlichen Darbietung von Liedern wie "My Lord" und "In the bleak Mid-Winter". Damit verdienen sich die jungen Schüler mehr ehrliche Beifallsbekundungen als bei manch vorangegangenem Konzert.

"Lulaise - Schlafe, mein Jesulein" spielen anschließend Sechst- und Siebtklässler auf der Blockflöte zusammen mit Thomas Betzer. Sein Mittel- und Oberstufenchor knüpft mit dem Kanon "Die Wurzel Jesse blüht mit Macht" an. Danach stellt der Chor mit "Ich steh an Deiner Krippen hier" sein Können deutlich besser unter Beweis, flacht bei "König des Himmels" und "I'll sing with the Spirit" jedoch wieder etwas ab.

Für Abwechslung sorgt nach einem Auszug aus dem Lukasevangelium "Der kleine Frieden" als Gesangssolo eines Achtklässlers mit Begleitung von Querflöte und Klavier. Nach dem Chorstück "Lord of the Dance" gehen die Lichter aus und das Publikum wartet gespannt auf das nächste Lied. Beendet wird die nächtliche Ruhe von einer kurzen Rückkopplung gefolgt von Herrn Betzer, der über die Köpfe der Zuschauer hinweg die Beleuchtungsgruppe ebenso lautstark wie sympathisch um Licht bittet, da jetzt Umbaupause sei.

In den kommenden zwanzig Minuten entfliehen viele Besucher der Enge der brechend gefüllten Aula und Galerie, um frische Luft zu schnappen, oder um endlich einen Blick auf die Bühne zu erhaschen. Für Gesprächsstoff sorgen vor allem, dass Dr. Häublein zum nächsten Schuljahr in Pension gehen wird, sowie die unterschiedlichen Meinungen über die Chöre. Bemängelt wurde meist aber nicht die gesangliche Leistung sondern die wenig feierliche und uneinheitliche Optik.


Stimmgewaltig: Mittel-/Oberstufenchor, großes Orchester und Unterstufenchor (v.o.)
Photographie: CK

Bestärkt werden diese Kritiker mit dem Auftritt von Rudolf Otts großem Orchester, dessen Kleidung so bunt gemischt ist wie das Programm. Dabei rechtfertigen Weihnachtslieder die vereinzelten Nikolausmützen und "Under the Sea" aus "Arielle, die Meerjungfrau" die Hawaiihemden. Bei letzterem Lied klaffen die Meinungen des Publikums weit auseinander. Tadellos gut dargeboten passt es für viele nicht in den Rahmen eines Weihnachtskonzerts. Stärkerer Kritik müssen sich "Harry Potters Zauberlehrling" und der "Little Drummer Boy" aussetzen. Letztgenanntes Stück ist zwar ein Klassiker beim Weihnachtskonzert, kommt aber langsam in die Jahre. Deshalb und wegen der etwas eigenwilligen Interpretation in diesem Jahr kommentiert ein Zuschauer scherzhaft: "Der kleine Trommler ist im Stimmbruch".

"French Carol" und weitere musikalische Höhepunkte hinterlassen jedoch einen sehr guten Gesamteindruck vom Orchesterauftritt. Gekrönt wird dieser mit Unterstützung der beiden Chöre. Dazu postieren sich die Unterstüfler vor der Bühne, die Mittel- und Oberstüfler auf der Treppe rechts und der Galerie oberhalb der Bühne. Stimmgewaltig präsentieren sie mit dem großen Orchester die "Petersburger Schlittenfahrt" und "Tochter Zion" als eindrucksvollen Schluss des Konzerts.

Von den Danksagungen hört man wegen des klassisch verspäteten Mikrofoneinsatzes nur Bruchstücke. Allen beteiligten Schülern und Musiklehrern wird dabei wieder großer Dank ausgesprochen und z.T. Blumensträuße überreicht. Die Beleuchter bekommen etwas Schokolade.

Aber trotz der Fauxpas mit Licht, Mikrofon und dem einen oder anderen Ton geht die Kritik im minutenlangen Applaus mit Standing Ovations ebenso unter wie die Vorsätze, wegen der Enge in der Aula und auf dem Parkplatz im nächsten Jahr nicht wieder zu kommen. Und wenn Dr. Häublein Weihnachten 2004 auch kommt, bleibt schließlich doch alles beim Alten.

Homepage der Schule unter www.humboldt-gym-sw.de
Humboldt-Portal für Schüler unter www.lehrerparkplatz.de

Christian Kral
23.12.2003

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