Matthias Beltz gestorben
Der erfolgreiche Frankfurter Kabarettist wurde gestern tot aufgefunden

Frankfurt - Der Grimme-Preisträger Matthias Beltz ist am Mittwochabend im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen gestorben. Der 57-Jährige sei tot in seiner Wohnung gefunden worden, teilte die Polizei mit. Todesursache war nach ersten Ermittlungen vermutlich Herzversagen. Beltz war auch in der Schweinfurter Disharmonie beliebter Gast.

Die Polizei geht von einer natürlichen Todesursache aus. Weitere Details sind bislang nicht bekannt. Der in Hessen geborene Kabarettist gehörte in den 70er Jahren zu der Frankfurter Hausbesetzerbewegung und war bald neben dem heutigen Außenminister Joschka Fischer (Grüne) und dem späteren Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit einer der populärsten Vertreter der linken Szene.

Matthias BeltzSein Weg zum Kabarett begann 1976 mit der Gründung von "Carl Nepps Chaos Theater", aus dem 1982 mit das "Vorläufige Frankfurter Front-Theater" entstand. Das Trio des "Front-Theaters", dem Beltz angehörte, wurde zu den erfolgreichsten Kabarettgruppen des linken Studentenmilieus. Einem Millionenpublikum wurde Beltz durch seine Fernsehauftritte bekannt. Anfang der 90er Jahre gestaltete er die satirische Sendung "Nachschlag" in der ARD. Er erhielt für seine Bühnen- und Fernseharbeit unter anderem den Adolf-Grimme-Preis in Gold (1993), den Deutschen Kabarett-Preis (1991) und den Deutschen Kleinkunstpreis (1993). In seinen hintergründigen Texten hatte er stets die politische Lage im Blick.

Der Kabarettist, der am 31. Januar 1945 in Wohnfeld (Vogelsberg) als Sohn eines Dipl. Kaufmanns geboren wurde, wuchs im hessischen Gießen auf und studierte Jura. Seine Einstellung zur von ihm geliebten Bühnenkunst, die er schließlich zu seiner Hauptbeschäftigung machte, beschrieb er folgendermaßen: "Mein Vorbild war immer Friedrich Dürrenmatt, dieser kosmische Emmentaler. Theater ist immer auch ein bißchen Abschiedgeben. Theater ist nämlich ein dreierlei wichtig Geschäft: Es gibt eine Bühne, eine Kantine und einen Notausgang. Wenn das kein Bild ist für Hoffnung in einer total engstirnigen Welt!?!" In diesem Satz klingt die typisch Beltz'sche Sprache förmlich nach.

Matthias Beltz war auch in der unterfränkischen Region gern gesehener Gast. Er trat regelmäßig im Sommerhäuser Bockshorn auf, und blieb der Bühne von Mathias Repiscus auch nach deren Umzug nach Würzburg treu. Auch die Schweinfurter Kabarettwochen der Disharmonie konnten von dem Zugpferd Beltz profitieren.

Weitere Informationen: www.matthiasbeltz.de

Christoph Thein
dpa/Reuters
28.03.2002

home