Mehr als ein halbes Jahrhundert Theater für die Provinz
zum Tod von Herbert Heinz vom "Fränkischen Theater"

Maßbach - Mehr als fünfzig Jahre prägte er als Regisseur und Schauspieler das Profil des Fränkischen Theaters Schloß Maßbach. Gemeinsam mit seiner Frau Lena Heinz-Hutter leitete er das Haus mit der idyllischen Freilichtbühne und dem intimen Theater im Schloß. Herbert Heinz ist am 28. Mai im Alter von 79 Jahren gestorben. Wir erinnern an ihn mit seinem Essay "Als wir nur für den Kochtopf spielten".


Herbert Heinz
Photographie Fränkisches Theater

Es ist ein herber Verlust für das Traditionstheater, das seit den Nachkriegsjahren, erst in Wetzhausen, dann in Stöckach und schließlich im Maßbacher Schloß, Theater für die unterfränkische Region (und darüber hinaus) macht. Herbert Heinz und Lena Hutter schafften es, das Ensemble, das zu einer wahren Talentschmiede für junge Schauspieler geworden ist, in den Rang einer kleinen "Landesbühne" zu erheben. Schauspieler wie Traugott Buhre, Peer Augustinski, Kristina Söderbaum, Ilse Zielstorff, Gila von Weitershausen und Gerd Burkhardt stehen für eine große Qualiät. Sie spielten in den 50er und 60er Jahren in Maßbach - und nicht nur die für Privattheater oft klischeehaft herbeigeredeten Komödien. Das Fränkische Theater tourt bis heute erfolgreich durch die Region zwischen Schweinfurt, Bamberg, Aschaffenburg und Fulda.

Der Regisseur Herbert Heinz ermöglichte durch viele Inszenierungen über die Jahre hinweg einer großen Zahl von Zuschauern heitere und besinnliche Theatererlebnisse. Als sympathischer Prinzipal hielt er sein Ensemble in familiärer Weise zusammen und als brillanter Schauspieler wird er seinem Publikum unvergessen bleiben.

Christoph Thein
31.05.2002

Zur Erinnerung an Herbert Heinz, der an Montag, 3. Juni um 14.00 Uhr in Maßbach beigesetzt wird, ein von ihm verfasster Essay zu den Theater-Nachkriegsjahren im Unterfränkischen:

Als wir nur für den Kochtopf spielten
von Herbert Heinz

Als die Währungsreform nahte, bemächtigte sich uns eine ähnliche Stimmung wie die, die einen befällt, wenn man von einer Mobilmachung hört und eine Art innere Erregung, die den Magen sehr in Mitleidenschaft zieht. Wir wußten: Nach dem Stichtag wird niemand auch nur das leiseste Interesse für eine Theaterveranstaltung haben und für das, was irgendwie mit Kultur oder Unkultur zusammenhängt. Da wird zunächst wieder von "Brot allein" gelebt, ehe man sich besinnt, daß man das auf die Dauer eben doch nicht kann. Am Vorabend des bewußten Tages hatten wir noch eine Vorstellung in B. und rumpelten auf einem LKW der heimatlichen Schloßruine entgegen. Bei einer Rast, hoch oben in der Rhön, erreichte auch uns die Radiomeldung mit der trostreichen Ansage, daß ab sofort ein neues Währungssystem seinen Einzug halte. Der Rest der Fahrt verlief sehr schweigsam, und am nächsten Tag schritt man zum Abholen der obligaten Kopfquote. Nun, das ging alles sehr rasch und verhältnismäßig glatt vonstatten und machte lange nicht die Schwierigkeiten, wie die Zeit der nächsten Wochen, als wir uns von Einnahme zu Einnahme jeweils für den folgenden Tag den Inhalt unseres gemeinsamen Kochtopfes "erspielen" mußten.


Herbert Heinz neben seiner Frau Lena Hutter in einer seiner letzten Rollen.
Photographie Fränkisches Theater

Einnahmen von 50 DM waren schon sehr anständig in diesen Tagen, nur - es reichte natürlich nicht hinten und nicht vorn und vor allem nicht für eins der schwierigsten Probleme: den Transport. Damals hatten wir noch keinen eigenen Bus oder Lastwagen, und der Mietwagen, mit dem wir bis dahin zu unseren Spielorten fuhren, wäre unerschwinglich teuer für uns gewesen. Was tun? ... Nun, wir fanden eine Lösung und mieteten uns einen Pferdewagen mit zwei Pferden und Kutscher, luden Kulissen und Requisiten auf das Vehikel und fuhren los. Natürlich war bei dem nachfolgenden Tempo an einen weiten Abstecher nicht zu denken, und so hatten wir einen Termin in einem kleinen Dorf 10 km hinter Wetzhausen ausgemacht. Wir rumpelten also durchs schöne und gemütliche Frankenland und waren eigentlich recht fröhlich und vergnügt dabei bis ... ja, bis es zu regnen anfing ...

Nun ist Wasser im allgemeinen ein recht segensreiches Element, das in der Jahreszeit damals - wir befanden uns im Juni - seine volle Berechtigung hatte, in Bezug auf das Blühen und Wachsen in der Natur. Aber seine Auswirkung auf bemalte Kulissen und Kostümkoffer war katastrophal. Die wenigen Mäntel verdeckten einiges, und der Regenschirm, den ein Pessimist in weiser Voraussicht mitgenommen hatte, wurde zu einem begehrten Objekt, zumal es sich leider um einen Platzregen handelte. Ich glaube ich brauche meinem verehrten und durch den "Regenmacher" hinlänglich aufgeklärten Publikum wohl kaum zu sagen, was ein Platzregen ist. Ich hatte das Glück, neben dem Schirmträger zu sitzen, und so waren wir von oben her leidlich geschützt. Neben uns prasselte es auf die Leinwand der Kulisse, auf der wir saßen, und so kam natürlich, was kommen mußte: Das Wasser lief in die Vertiefungen, und das war da, wo sich unsere Gesäße befanden, so daß uns bald ein unfreiwilliges Sitzbad beschert war. Es dauerte selbstverständlich eine gewisse Zeit, bis wir es "merkten", aber dann war es um so schlimmer, und als wir am Spielort ankamen, mußten wir gleich unsere Scheinwerfer aufstellen, um erst einmal alles damit zu trocknen.

Die Einnahmen betrugen, glaube ich, an diesem Abend sogar 40 Mark, was uns sehr freute nach den überstandenen Unannehmlichkeiten. Ja wir freuten uns sehr und waren wirklich recht glücklich darüber ... Was sich allerdings schlagartig änderte, als wir nach der Rückkehr erfuhren, daß der Bauer fast die Hälfte der Summe für den Transport forderte.

 

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